Es ist jetzt noch relativ früh, an diesem Osterfreitag Morgen, dem 3. April 2026. Ich trinke gerade den zweiten Kaffee und höre dem Geräusch des Geschirrspülers zu, der sich mit den Resten des gestrigen Abendessens mit einem Freund beschäftigt. Draussen hat es klaren blauen Himmel. Aber es ist kalt. Kalt im Vergleich zum Wetter vor einigen Tagen, das damals schon ein bisschen zu warm war für einen durchschnittlichen März.
Wie dem auch sei. Bevor ich mich dem eigentlichen Morgenessen zuwende halte ich meinen Traum der letzten Nacht fest, nicht ohne zu erwähnen, dass ich schon sehr erstaunt bin, was sich bei mir manchmal so in Träumen für "Ideen", "Gedanken" und "Bilder" ansammeln, um dann auszubrechen und mich relativ überrascht in den Alltag zu entlassen.
Ob ich von mir als Hauptperson oder einem Unbekannten träumte, kann ich nicht mehr sagen. Und das ist eigentlich auch ganz egal. Ich spreche darum jetzt der Einfachheit halber halt in der dritten Person und nenne ihn einfach mal Albert. Weil ich keinen Menschen mit diesem Namen kenne und weil Albert doch eher ein veralteter Name ist und sich deshalb relativ wenig Menschen direkt angesprochen oder betroffen fühlen müssen. Auch weiss ich nicht, wie alt er war. Aber auch das scheint mir im Nachhinein nicht von grosser Bedeutung zu sein. Im Hintergrund spielt ein Cellist aus meiner Klassik App die Cellosonate in g-Moll III. Andante von Rachmaninow. Das passt.
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Albert ist ein politisch relativ aktiver Mensch. Denn er liest Zeitungen und versucht aufgrund dieser Informationen und all den ihm vorliegenden persönlichen Erfahrungen eine Meinung zu bilden. Im Wissen auch, dass diese "eigene Meinung" immer nur das Resultat vieler anderer Meinungen, Berichte, News, Facts, Fakes ist. Säuberlich im Gehirn zusammengetragen, behalten und sortiert.
Albert ist eigentlich und generell ziemlich glücklich mit seinem Leben. Und dennoch kann er seine Augen nicht davor verschliessen, dass er und all die andern Milliarden Menschen in einer doch relativ komplizierten Welt voller Ungerechtigkeiten und Unsicherheiten leben. Ein Klimawandel der leider kaum mehr zu stoppen ist und dessen Auswirkungen sich mit jedem Jahr dramatischer manifestieren. Ein neuer rechtslastiger Konservatismus der immer extremere Formen annimmt und Werte wie Akzeptanz, Toleranz, Miteinander, Gemeinsamkeit etc. mit Füssen tritt. Demokratische Rechte und Systeme zunehmend Diktaturen und autoritären System weichen, weil oft die freien Menschen selber den Weg ist diese Unfreiheit und Unterdrückung an der Urne vorbestimmt haben, um dann vielleicht zu spät zu realisieren, dass es einfach zu spät ist. Denn es scheint, dass sich das Zitat "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber" zu bestätigen scheint.
Albert sieht auch, dass viele Menschen faul geworden sind, sich an politischen Prozessen aktiv zu beteiligen und andere, die es gerne tun würden aufgrund rechtlicher Umstände nicht tun dürfen. Menschen die in einem Land leben aber ihr Schicksal in diesem Land nicht mit demokratischen Mitteln mit bestimmen dürfen/können. Als Spargelstecher oder Gemüse/Obst Pflücker willkommen. Als Bürger auf Augenhöhe nicht.
Also gründet Albert eine neue Partei und nennt sie in einem ersten Schritt "Die Partei der andern". In dieser Partei übernehmen Menschen, die über alle demokratischen Rechte und Mittel verfügen die Rolle eines Vermittlers oder eines Alter-Egos. Kurz: Albert ist das "Double" oder der Avatar von einem an Politik interessierten Menschen in einem Land, in dem dieser Mensch keine politischen Rechte besitzt.
Das wird klar in den Wahlunterlagen deklariert - mit Foto der beiden und den üblichen Beschreibungen zur Person, irgendwo zwischen Wahrheit und kleinen Schwindeleien und gewisser Selbstüberschätzung. So können können sich StimmbürgerInnen informieren und entscheiden. Diese Partei wirbt mit Transparenz und stellt den Solidaritätsgedanken in den Vordergrund.
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So weit ,so gut der Traum. Beim Nachdenken kommen mit aber Zweifel, ob so eine Partei überhaupt von jemandem gewählt würde. Denn Chancen hätte diese Partei wohl nur bei anderen Menschen ohne politische Rechte und mit Interesse an Mitgestaltung ihrer Zukunft in ihrem Gastland. Und diese wiederum hätten als WählerInnen ja keine Avatare oder Alter-Egos.
Avatar: Ein Avatar ist dein Profilbild oder eine Figur, die dich repräsentiert.
Alter-Ego: Ein Alter Ego ist so etwas wie ein zweites Ich – eine andere Seite deiner Persönlichkeit.
Nachtrag: Ich träume gern. Jedoch - nicht alle Träume gefallen mir. Oft erinnere ich mich an die weniger schönen ebenso wie an die schönen leider nur sehr kurze Zeit. Zu kurz um sie niederzuschreiben. Zu flüchtig um mich länger als ein paar Augenblicke daran zu erinnern und mir weitere Gedanken darüber zu machen. Und manchmal sag ich mir: "Deine Träume ersetzen dir - im weitesten Sinn - einen Therapeuten". Oder auch: "Mit jedem Traum kannst Du etwas loslassen, was sich den Weg nach draussen sucht". Also verbleibt die Frage zu der ich die Antwort nie erfahren werde: Wie viel solcher oder ähnlicher Träume schlummern noch in mir, drängeln, schubsen und wollen endlich raus in die Realität eines soeben aus dem Traum erwachten Ich ?